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Kondomurinal: Auswahl, Größe und Anwendung
Das Wichtigste in Kürze
- Das Kondomurinal ist ein sammelndes Hilfsmittel — es fängt Urin auf, statt ihn aufzusaugen
- Das Hilfsmittelverzeichnis führt es unter 15.25.04 „Externe Urinableiter“ in acht Untergruppen
- Der wichtigste Unterschied: latexhaltig oder latexfrei — Allergien gehören vor die Auswahl
- Die Fachleitlinie empfiehlt eine angeleitete Testung beim Anlegen, geführt durch Pflegefachpersonen
- Nach der Erstberatung soll eine Nachberatung angeboten werden — die erste Wahl muss nicht die letzte sein
Viele Männer kennen nur Vorlagen und Pants. Dabei nennt die urologische Fachleitlinie das Kondomurinal ausdrücklich als eigene Versorgungsform. Dieser Beitrag erklärt, wie es eingeordnet wird, welche Varianten es gibt und worauf es bei der Auswahl ankommt.
Sammeln statt aufsaugen
Die S2k-Leitlinie zur Hilfsmittelberatung teilt Hilfsmittel in drei Gruppen ein:
- aufsaugend — Vorlagen, Futterale, Schutzhosen, Betteinlagen
- sammelnd — körpernah das Kondomurinal, körperfern Bettflasche, Toilettenstuhl, Toilettensitzerhöhung
- funktionell-anatomisch — Inkontinenztampons
Der Unterschied ist mehr als eine Systematik. Ein aufsaugendes Produkt hält den Urin in Hautnähe; ein sammelndes leitet ihn weg. Für Menschen, deren Haut auf Feuchtigkeit empfindlich reagiert, ist das der entscheidende Punkt.
Ein Kondomurinal wird über den Penis gerollt und über einen Schlauch mit einem Beinbeutel verbunden, der unter der Kleidung getragen wird. Nachts lässt sich stattdessen ein größerer Bettbeutel anschließen.
Die Leitlinie nennt das Kondomurinal auch dort, wo es besonders zählt: bei älteren, mehrfach erkrankten Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit. Sie unterscheidet dabei sauber zwischen unabhängiger Kontinenz und einer gut versorgten, sozial verträglichen Inkontinenz — für viele ist das zweite ein realistisches und völlig legitimes Ziel.
Die acht Varianten im Hilfsmittelverzeichnis
Unter der Produktgruppe 15.25.04 „Externe Urinableiter“ stehen:
| 15.25.04.1 | Urinableiter für Frauen |
| 15.25.04.2 | Urinableiter für Männer |
| 15.25.04.3 | Urinableiter für Kinder |
| 15.25.04.4 | Urinal-Kondome/Rolltrichter, latexhaltig, nicht gebrauchsfertig |
| 15.25.04.5 | Urinal-Kondome/Rolltrichter, latexhaltig, gebrauchsfertig verpackt |
| 15.25.04.6 | Urinal-Kondome/Rolltrichter, latexfrei, nicht gebrauchsfertig |
| 15.25.04.7 | Urinal-Kondome/Rolltrichter, latexfrei, gebrauchsfertig verpackt |
| 15.25.04.8 | Urinal-Kondome/Rolltrichter bei ISK, Sonderform |
Zwei Unterscheidungen laufen quer durch die Liste:
Latexhaltig oder latexfrei. Latexfreie Modelle bestehen meist aus Silikon. Sie sind hautverträglicher, oft durchsichtig — was die tägliche Hautkontrolle erleichtert — und für Menschen mit Latexallergie die einzige Möglichkeit. Die Leitlinie führt Allergien ausdrücklich unter den Angaben auf, die vor einer Beratung bekannt sein müssen.
Gebrauchsfertig oder nicht. Gebrauchsfertige Modelle bringen den Hautkleber bereits mit. Bei nicht gebrauchsfertigen wird ein Hautkleber separat aufgetragen. Gebrauchsfertig ist im Alltag deutlich einfacher — besonders, wenn jemand mit eingeschränkter Handfunktion sich selbst versorgt.
Die Sonderform 15.25.04.8 richtet sich an Menschen, die zusätzlich intermittierend katheterisieren.
Worauf es beim Anlegen ankommt
Die genauen Schritte stehen in der Gebrauchsanweisung des jeweiligen Herstellers und unterscheiden sich zwischen den Systemen. Diese Punkte gelten aber durchgehend:
- Die Größe entscheidet über den Halt. Jeder Hersteller legt eine Messschablone bei. Zu weit heißt Leckage, zu eng heißt Druckstellen — geschätzte Größen führen fast immer zu einem der beiden Probleme.
- Die Haut muss sauber und trocken sein. Rückstände von Cremes, Ölen oder Lotionen verhindern, dass der Kleber hält.
- Haare stören den Sitz. Sie werden gekürzt, nicht rasiert — rasierte Haut reizt schneller.
- Der Schlauch darf nicht abknicken. Ein geknickter Schlauch staut den Urin zurück; das ist die häufigste Ursache dafür, dass ein System scheinbar „undicht“ ist.
- Einmal täglich wechseln und die Haut ansehen. Rötungen, Druckstellen oder Schwellungen sind ein Grund, das System oder die Größe zu ändern.
Die Leitlinie geht noch weiter und macht das Üben zur Empfehlung: Eine alltagsnahe Testung mit Hilfestellung, „zum Beispiel mit dem Anlegen von Kondomurinalen“, kann angeboten werden — insbesondere dann, wenn bei einer Standardversorgung Schwierigkeiten aufgetreten oder zu erwarten sind. Führend sind dabei Pflegefachpersonen. Wer unsicher ist, sollte also nicht allein herumprobieren, sondern danach fragen.
Die erste Wahl ist nicht die letzte
Zwei Empfehlungen der Leitlinie, beide mit starkem Konsens von 20 zu 20 Stimmen, sind hier wichtig:
„Nach der Initialberatung soll eine Reevaluation, ggf. eine Anpassung und Nachberatung der getesteten Versorgung angeboten und dokumentiert werden.“
Und das Ergebnis dieser Beratung soll dem verordnenden Arzt mitgeteilt werden — bevor eine Dauerverordnung ausgestellt wird. Wenn das erste Modell nicht passt, ist das also kein Scheitern, sondern der vorgesehene Ablauf.
Wenn Sie ärztlichen Rat suchen sollten
Die Leitlinie führt Warnzeichen auf, bei denen vor oder neben einer Hilfsmittelversorgung eine ärztliche Abklärung erfolgen soll — unter anderem:
- roter, trüber oder übelriechender Urin
- Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterleib
- Rückenschmerzen, die auf eine Nierenbeteiligung hindeuten
- ständiges Wasserlassen in kleinen Portionen
- Hautveränderungen
- neu aufgetretene Lähmungen oder Empfindungsstörungen
- Fieber
Häufige Fragen
Für wen kommt ein Kondomurinal infrage?
Grundsätzlich für Männer mit Harninkontinenz, deren anatomische Verhältnisse einen sicheren Sitz zulassen. Ob es im Einzelfall passt, klärt die Beratung — und am besten ein Test.
Gibt es das auch für Frauen?
Das Hilfsmittelverzeichnis führt unter 15.25.04.1 „Urinableiter für Frauen“. Diese funktionieren anders als ein Kondomurinal und sind weit weniger verbreitet.
Bekomme ich es auf Rezept?
Ja, externe Urinableiter sind im Hilfsmittelverzeichnis gelistet und verordnungsfähig. Wie die Versorgung abläuft, steht in unserem Beitrag zu Hilfsmitteln auf Rezept.
Kann ich damit duschen und schlafen?
Für die Nacht wird üblicherweise ein größerer Bettbeutel angeschlossen. Zum Duschen wird das System in der Regel gewechselt — Einzelheiten regelt die Gebrauchsanweisung des Herstellers.
Kondomurinal oder Vorlage?
Das hängt von Hautzustand, Beweglichkeit, Handfunktion und Vorlieben ab. Beides ist verordnungsfähig, und ein Wechsel ist jederzeit möglich. Mehr zu den aufsaugenden Alternativen in unserem Beitrag zu Vorlage, Pants oder Slip.
Ihr nächster Schritt
Wir führen Kondomurinale in latexfreier und latexhaltiger Ausführung sowie Bein- und Bettbeutel von Manfred Sauer, Coloplast und Hollister — in allen gängigen Größen. Mit einer Verordnung übernehmen wir die Abstimmung mit Ihrer Krankenkasse.
Quellen
- S2k-Leitlinie „Hilfsmittelberatung bei Harninkontinenz“, AWMF-Registernummer 043-054, Fassung Februar 2025
- Hilfsmittelverzeichnis nach § 139 SGB V, Produktgruppe 15, GKV-Spitzenverband
Hinweis. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine ärztliche oder pflegefachliche Beratung. Für das Anlegen gilt die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Herstellers. Der Text wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus den oben genannten Quellen zusammengefasst und redaktionell geprüft. Stand: September 2026.