Zusammengerollte graue Gymnastikmatte auf hellem Holzboden am Fenster, daneben eine beigefarbene Stützbandage, weiße Sportschuhe und eine Wasserflasche aus Glas

Bild mit künstlicher Intelligenz erstellt

Parastomale Hernie erkennen und vorbeugen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die parastomale Hernie ist die häufigste Spätkomplikation nach einer Stomaanlage
  • Beim Kolostoma liegt das Risiko bei 18 bis 40 %, beim Ileostoma bei 9 bis 22 %
  • Eine Studie halbierte die Häufigkeit durch ein Präventionsprogramm: von 28 % auf 14 %
  • Eine Bandage heilt keine Hernie — sie stützt nur und muss angepasst werden
  • Der größte Hebel liegt bei Ihnen: Heben, Gewicht, Haltung, Bauchmuskulatur

Ein Bruch neben dem Stoma entsteht schleichend und fällt oft erst auf, wenn die Versorgung nicht mehr hält. Dieser Beitrag zeigt, wodurch er entsteht — und was nachweislich hilft, ihn zu vermeiden.

Wie eine parastomale Hernie entsteht

Beim Anlegen des Stomas wird die Bauchwand durchtrennt. Dort bleibt eine Schwachstelle. Eine Hernie entsteht, wenn das Verhältnis nicht mehr stimmt:

„Der Bauchinnendruck ist im Verhältnis zur Bauchwandfestigkeit zu groß.“

Die Lücke im Bereich des Stomadurchtritts weitet sich, Darmanteile treten hindurch. Sind die Bauchmuskeln wenig trainiert, können sie dem Druck wenig entgegensetzen.

Wie häufig das ist

Die Angaben schwanken je nach Studie zwischen 20 und 80 Prozent — eine große Spanne, weil nicht jede Hernie diagnostiziert wird. Nach Stomaart aufgeschlüsselt:

  • Stoma am Dickdarm (Kolostoma): 18 bis 40 Prozent
  • Stoma am Dünndarm (Ileostoma): 9 bis 22 Prozent

Die Risikofaktoren

Manche lassen sich nicht ändern, viele schon:

Nicht beeinflussbar: Lebensalter, Bindegewebsschwäche, Wundheilungsstörungen oder Infektionen nach der Operation, eine operativ zu groß gewählte Öffnung.

Beeinflussbar: Übergewicht, Diabetes, zu frühe und zu starke Belastung der Bauchdecke, Bauchmuskelschwäche, starke Gewichtszunahme, chronischer Husten und COPD, schlechter Allgemein- und Ernährungszustand, Rauchen und Alkohol.

Die meisten dieser Faktoren schwächen das Gewebe und verhindern, dass die Narbe richtig verheilt und das Stoma sauber in die Bauchwand einwächst.

Was nachweislich hilft

Eine irische Studie führte ein Präventionsprogramm ein und verglich die Häufigkeit über drei Jahre:

  • Jahr 1, ohne Programm: 28 Prozent entwickelten eine Hernie
  • Jahr 2, mit Programm: 14 Prozent
  • Jahr 3: 17 Prozent — wobei 7 Prozent dieser Gruppe angaben, sich nicht daran gehalten zu haben

Das Programm umfasst sieben Punkte:

  1. gesunde Lebensweise
  2. kein schweres Heben in den ersten drei bis zwölf Monaten nach der Operation
  3. Körpergewicht im Bereich eines BMI von 20 bis 25
  4. fortlaufende, gezielte Stabilisierung der Bauch- und Rumpfmuskulatur, nachdem die Wunde verheilt ist
  5. jederzeit eine gute, aufgerichtete Körperhaltung
  6. Tragen einer angepassten Stomabandage
  7. den Bauch beim Husten abstützen, in den ersten Monaten

Punkt 7 klingt nebensächlich und ist es nicht: Husten treibt den Bauchinnendruck schlagartig hoch. Die flache Hand auf das Stoma gelegt, bevor der Hustenstoß kommt — das ist in den ersten Monaten eine der wirksamsten Gewohnheiten überhaupt.

Was eine Bandage leistet — und was nicht

„Die Stomabandage kann eine Hernie nicht heilen, sondern nur eine gewisse Unterstützung auf die äußere Bauchdecke geben.“

Zwei Dinge folgen daraus. Erstens ist eine Bandage kein Ersatz für die übrigen sechs Punkte. Zweitens: Die Anpassung muss durch eine Stomatherapeutin oder einen Stomatherapeuten erfolgen. Eine schlecht sitzende Bandage kann drücken, verrutschen und die Versorgung stören.

Besteht bereits eine Hernie, verändert sich die Bauchkontur — und damit der Sitz der Basisplatte. Das Versorgungsmaterial sollte deshalb regelmäßig überprüft und bei Bedarf neu angepasst werden, sonst kommt es zu Leckagen.

Wann operiert wird

Nicht jede Hernie muss operiert werden. Ein Eingriff kommt in Betracht, wenn

  • der Darm im Bruchsack eingeengt ist,
  • die Durchblutung beeinträchtigt ist und eine Minderdurchblutung droht,
  • die Hernie sehr groß ist.

Die Quelle hält zugleich fest: Nicht jede ausgeprägte Hernie kann operativ versorgt werden — Risiko und Nutzen müssen sorgfältig abgewogen werden.

Warnzeichen

Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn

  • sich neben dem Stoma eine Vorwölbung zeigt, besonders im Stehen oder beim Pressen
  • die Versorgung plötzlich schlechter hält als gewohnt
  • Schmerzen auftreten oder die Ausscheidung stockt
  • die Vorwölbung sich nicht mehr zurückdrücken lässt — das ist ein Notfall

Häufige Fragen

Darf ich mit Stoma Sport treiben?

Ja, mit Augenmaß. Der Fachartikel nennt als Richtwert: anfangs nicht mehr als fünf, im weiteren Verlauf nicht mehr als zehn Kilogramm — lieber mehrmals heben als einmal schwer, das stabilisiert die Muskulatur. Gezielte Rumpfstabilisierung nach abgeheilter Wunde ist ausdrücklich Teil der Vorbeugung, nicht ihr Gegenteil.

Wann darf ich wieder heben?

Schweres Heben soll in den ersten drei bis zwölf Monaten vermieden werden. Den genauen Zeitpunkt klärt Ihr Behandlungsteam.

Bekomme ich die Bandage auf Rezept?

Stomabandagen sind Hilfsmittel und grundsätzlich verordnungsfähig. Wie die Versorgung abläuft, steht in unserem Beitrag zu Hilfsmitteln auf Rezept.

Verschwindet eine Hernie wieder?

Nein. Vorbeugen ist deshalb wirksamer als jede spätere Maßnahme.

Ihr nächster Schritt

Wir führen Stomagürtel und Zubehör von Coloplast, Dansac und Hollister sowie das passende Versorgungsmaterial. Die Anpassung einer Bandage gehört allerdings in fachliche Hände — sprechen Sie dafür Ihre Stomatherapeutin an.

Quellen

Hinweis. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine ärztliche oder stomatherapeutische Beratung. Übungen zur Rumpfstabilisierung sollten erst nach abgeheilter Wunde und nach fachlicher Anleitung begonnen werden. Der Text wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus den oben genannten Quellen zusammengefasst und redaktionell geprüft. Stand: September 2026.

Zurück zum Blog