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Selbstkatheterismus lernen: Wer schult, was Sie wissen müssen
Das Wichtigste in Kürze
- Katheterisieren ist rechtlich eine ärztliche Tätigkeit, die an examinierte Pflegekräfte delegiert werden kann — und die Betroffene und Angehörige nach Einweisung selbst übernehmen dürfen
- Eine gute Einweisung ist Voraussetzung, nicht Zugabe: Sie umfasst mehr als den Handgriff
- Die Schulung soll den Alltag nachstellen — auf dem WC, im Rollstuhl, mit dem Material, das später wirklich benutzt wird
- Sie dürfen verschiedene Systeme ausprobieren; wo geschult wird, sollen Muster vorgehalten werden
- Krankenkassen dürfen die Menge nicht über Richtwerte begrenzen; Gleitmittel und Desinfektionsmittel sind erstattungsfähig
Die Vorstellung, sich mehrmals täglich selbst einen Katheter zu legen, schreckt fast jeden ab, dem sie zum ersten Mal begegnet. Wer es dann lernt, berichtet oft das Gegenteil: Der intermittierende Selbstkatheterismus gibt Unabhängigkeit zurück. Die Fachleitlinie widmet dem Lernen ein eigenes Kapitel — dieser Beitrag fasst es zusammen.
Wer katheterisieren darf
Die Leitlinie ordnet die Rechtslage in Deutschland so ein:
„Die Durchführung des Katheterismus ist (in Deutschland) nach der gegenwärtigen Rechtsauffassung eine ärztliche Tätigkeit, die an dreijährig ausgebildete, examinierte Pflegekräfte delegationsfähig ist."
Für Sie selbst gilt: „Voraussetzung für die Durchführung des IK ist eine gute Einweisung in den Katheterismus." Und für Ihr Umfeld: „Auch Angehörige können den IK bei Betroffenen mit deren Einverständnis durchführen. Sie werden dann individuell in den Katheterismus des einzelnen Betroffenen eingewiesen." Die Indikation stellt ein Arzt; die Durchführung liegt nach der Schulung bei Ihnen.
Was eine gute Schulung ausmacht
Die Leitlinie ist hier ungewöhnlich konkret — und ihre Vorgaben sind ein guter Maßstab, um die eigene Einweisung zu beurteilen.
Der Alltag wird nachgestellt
„Im Verlauf der Schulung sollte der Alltag soweit möglich nachgestellt werden, z. B. der Katheterismus auf dem WC oder im Rollstuhl und die Abläufe wiederholt und kontrolliert werden." Wer nur im Krankenbett übt, lernt eine Situation, die zu Hause nicht vorkommt.
Das Material passt zu Ihnen — nicht umgekehrt
Die Auswahl des Katheters muss „individuell auf die motorischen und kognitiven Ressourcen der betroffenen Patienten abgestimmt werden". Es kann nötig sein, für verschiedene Situationen verschiedene Systeme zu nutzen — etwa mit integriertem Beutel unterwegs und ohne zu Hause. Die Leitlinie empfiehlt, „mit einem System zu beginnen, mit dem erfahrungsgemäß viele Patienten katheterisieren können", und im Verlauf andere auszuprobieren. Dafür sollen dort, wo geschult wird, verschiedene Systeme vorgehalten werden — mindestens Ansichtsmuster, die bei Bedarf zur Erprobung bestellt werden.
Mehr als der Handgriff
„Die Anleitung umfasst nicht nur die Durchführung des Katheterismus, sondern auch die regelmäßige Kontrolle von Urin-Beschaffenheit und Menge sowie das Vorgehen beim Auftreten von Problemen." Wer nach der Schulung nicht weiß, was bei Blut am Katheter, bei Widerstand oder bei trübem Urin zu tun ist, wurde nicht fertig geschult.
Hilfsmittel zum Erleichtern
Spiegel, Penisstütze, Einführhilfen: Solche Muster „sollten dem Patienten vorgestellt werden". Bei eingeschränkter Handfunktion kann Ergotherapie Hilfsmittel erproben, Physiotherapie hilft bei Sitzposition und Transfer. Anatomische Tafeln und Demonstrationsmodelle machen verständlich, wohin der Katheter geht — das nimmt viel von der Angst.
Wer schulen darf
„Außer dem Fachwissen über die Blasenentleerungsstörung und den Katheterismus sind pädagogische Fähigkeiten unerlässliche Voraussetzungen für einen nachhaltigen Schulungserfolg." Die schulende Person soll die gängigen Systeme und ergänzenden Hilfsmittel kennen, um funktionelle Defizite ausgleichen zu können.
Die Technik in Kürze
Zu Hause wird in der Regel der aseptische Katheterismus in Non-Touch-Technik gelehrt. Die Leitlinie nennt dafür:
- hygienische Händedesinfektion — sie gilt „als obligatorisch"; Händewaschen allein reicht oft nicht, etwa wenn man sich danach im Rollstuhl auf den Rädern abstützt
- ein steriler Einmalkatheter
- Desinfektion der Harnröhrenöffnung
- wenn Gleitmittel verwendet wird, muss es steril sein
- beim Fremdkatheterismus zusätzlich unsterile Handschuhe
Zwei Zahlen gehören zur Grundausbildung: Die Blase soll bei Erwachsenen 500 ml pro Katheterisierung nicht überschreiten, und die Häufigkeit richtet sich danach — in einer deutschen Erhebung zwischen zwei- und zehnmal täglich, am häufigsten sechsmal. Ein Miktionsprotokoll in den ersten Wochen zeigt, welcher Rhythmus zu Ihnen passt. Zur Auswahl von Größe und Spitzenform siehe unseren Beitrag zur Charrière-Größe, zur Infektvorbeugung den Beitrag zu Harnwegsinfekten.
Was die Kasse zahlt — und was sie nicht darf
Die Leitlinie nimmt zu den Krankenkassen deutlich Stellung:
„Versuche von Krankenkassen, die Anzahl der Katheter einzuschränken (z. B. durch Verweis auf sogenannte Produkt-Richtmengen, Verbrauchsrichtwerte, Mengenangaben für Standardversorgung) und/oder die Art des Katheters vorzuschreiben, sind grundsätzlich abzulehnen."
Häufig sei eine Mischversorgung nötig — Katheter plus aufsaugende und weitere ableitende Hilfsmittel. Auch die Begrenzung auf einen Urinbeutel pro Tag werde „dem Ziel einer sozialen Re-Integration der IK-Anwender nicht gerecht".
Ein Punkt, an dem es in Arztpraxen oft hakt: Gleitmittel und Schleimhautdesinfektionsmittel sind nicht verschreibungspflichtig — aber trotzdem erstattungsfähig. Die OTC-Ausnahmeliste der Arzneimittel-Richtlinie führt unter Nummer 8 „Antiseptika und Gleitmittel nur für Patienten mit Katheterisierung". Wird die Verordnung mit dem Hinweis abgelehnt, das Mittel sei „nicht verordnungsfähig", ist das nach der Leitlinie ein Irrtum: Die Indikation zum Katheterisieren muss auf dem Rezept dokumentiert sein, dann zahlt die Kasse.
Katheter selbst sind Hilfsmittel — und als solche „weder budget- noch richtgrößenrelevant" für die Praxis. Wie die Versorgung abläuft, steht in unserem Beitrag zu Hilfsmitteln auf Rezept.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis man es kann?
Die Leitlinie nennt keine Zahl, und das ist ehrlich: Es hängt von Handfunktion, Anatomie und Übung ab. Entscheidend ist, dass die Schulung wiederholt und kontrolliert wird, bis der Ablauf sicher sitzt — nicht, wie viele Termine das braucht.
Kann meine Partnerin oder mein Partner das übernehmen?
Ja, mit Ihrem Einverständnis und nach individueller Einweisung. Beim Fremdkatheterismus gehören unsterile Handschuhe dazu.
Muss ich beim ersten System bleiben?
Nein. Die Leitlinie sieht ausdrücklich vor, dass im Verlauf andere Systeme erprobt werden. Wenn Ihr Versorger keine Muster hat, fragen Sie danach — er soll sie bestellen können.
Wo wird geschult?
In der Klinik oder Reha, in Kontinenzzentren und durch spezialisierte Pflegefachpersonen — auch zu Hause. Fragen Sie nach der Qualifikation: Fachwissen und pädagogische Fähigkeiten, so die Leitlinie.
Was, wenn es nicht klappt?
Dann ist meist das Material oder die Technik der Grund, nicht Sie. Die Leitlinie listet für jedes Problem — Widerstand, Blut, Schmerzen — Lösungen von der anderen Spitzenform bis zur Einführhilfe. Sprechen Sie es an, statt aufzugeben.
Ihr nächster Schritt
Wir führen Einmalkatheter von Coloplast, Hollister, Manfred Sauer, Wellspect und B. Braun in allen Größen, Spitzenformen und Beschichtungen — mit und ohne integrierten Beutel. Ansichtsmuster zum Ausprobieren stellen wir auf Anfrage zusammen.
Quellen
- S2k-Leitlinie „Management und Durchführung des Intermittierenden Katheterismus bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes", AWMF-Registernummer 043-048, Version 3.0, Februar 2026 — Kapitel 2, 4, 5.1 und 7
- Arzneimittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, Anlage I (OTC-Übersicht), Nummer 8
Hinweis. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt weder die ärztliche Indikationsstellung noch die persönliche Einweisung durch eine Fachperson. Katheterisieren Sie nie ohne Schulung. Der Text wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz aus den oben genannten Quellen zusammengefasst und redaktionell geprüft. Stand: September 2026.